Solidarische Landwirtschaft – kurz SoLaWi – war für das FREILANDWERK mehr als ein Vertriebsmodell. Es war eine Philosophie: Eine Gemeinschaft trägt gemeinsam das Risiko und teilt die Ernte. Kein Zwischenhandel, kein Preisdruck, keine Lebensmittelverschwendung.
Das Prinzip
Unsere Mitglieder zahlten einen monatlichen Beitrag und erhielten dafür wöchentlich eine Kiste mit saisonalem Gemüse, Kräutern und Blumen. Was genau drin war, bestimmte die Natur – nicht der Großmarkt. Im Juni gab es Berge von Salat und Radieschen, im September Kürbis, Zucchini und die letzten Tomaten. Im Winter wurde es ruhiger, aber auch dann gab es Feldsalat, Postelein und Wurzelgemüse.
Transparenz statt Vertragsklauseln
Wir haben unseren Mitgliedern nicht nur Gemüse geliefert – wir haben sie eingeladen. Feldtage, gemeinsame Ernte-Aktionen, offene Gespräche über Kosten und Herausforderungen. Wenn ein Hagelsturm die Tomaten zerstört hat, wussten unsere Mitglieder das nicht erst beim Blick in die leere Kiste, sondern vorher. Diese Transparenz hat Vertrauen geschaffen, das kein Bio-Siegel der Welt ersetzen kann.
Was wir gelernt haben
SoLaWi funktioniert, wenn die Gemeinschaft stimmt. Nicht jeder Mensch ist bereit, die Unberechenbarkeit der Natur mitzutragen. Manche erwarten Supermarkt-Zuverlässigkeit zum Bio-Preis. Andere wiederum blühen auf, wenn sie verstehen, dass ihre Karotte eine Geschichte hat – von der Aussaat bis zur Ernte.
Unser SoLaWi-Modell hatte bis zu 45 Ernteanteile. Jeder Anteil versorgte eine Familie oder Einzelperson für die gesamte Saison. Die Abholstation war gleichzeitig ein sozialer Treffpunkt, an dem Rezepte getauscht und Geschichten erzählt wurden.
Das Wichtigste, was wir mitgenommen haben: Lebensmittel bekommen einen ganz anderen Wert, wenn man die Menschen kennt, die sie angebaut haben.